
Am Sonntag findet in Würzburg der Bürgerentscheid über die Nutzung des Platz’schen Gartens statt. Es hat sich mal wieder eine Bürgerinitiative Interessengemeinschaft gegründet, die mal wieder gegen etwas ist, auch wenn sie in dem Fall behauptet für etwas zu sein. Nichts neues in Würzburg und wohl auch nicht im Rest der Republik und ein Thema, zu dem ich mich sonst eigentlich nicht veranlasst sehen würde etwas zu sagen, da ich die Entscheidung was mit ein paar m2 Garten passiert oder nicht passiert weder für das Gemeinwohl in, noch für die Zukunft der Stadt Würzburg und des Stadtklimas so entscheidend halte.
Aus drei Gründen, die in mir Unmut auslösen, sehe ich mich trotzdem veranlasst etwas dazu zu sagen:
1) Das Recht zu bauen … Bei der geplanten Blockrandbebauung handelt es sich um ein privates Bauvorhaben auf einem privaten Grundstück, bei der weder ein Bauwerk von öffentlichem Interesse, noch ein Gewerbebau, sondern in Würzburg dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden soll. Nun kann man sich über die (eher nicht besonders beeindruckende) architektonische Qualität der Planung streiten und vielleicht auch darüber, ob man statt der geschlossenen Blockrandbebauung städtebaulich eher einen offenen Blockrand hätte wählen sollen, wie im Rest des Quartiers, aber die Planung orientiert sich in Höhe und Dachform an der umliegenden Bebauung, von der Dichte bleibt das Grundstück sogar deutlich geringer bebaut als die Nachbarschaft. Der Bebauungsplan sieht vor, die bestehenden Günstrukturen und vorhandenen Bodendenkmäler weitestgehend zu erhalten, wurde mit den Trägern öffentlicher Belange (u.a. Denkmalschutz, Bund Naturschutz, Umweltschutzämter etc.) ausführlich abgestimmt und ist dementsprechend nicht nur genehmigungsfähig, sondern eigentlich auch zu genehmigen…. Stellt sich die Frage: Wo kommen wir hin wenn jedes öffentlichem Recht und der Gesetzgebung entsprechende private Bauvorhaben öffentlich in Frage gestellt werden kann? Nicht falsch verstehen. Das Interesse der Öffentlichkeit an örtlichen Bauvorhaben ist sicher zu begrüßen. Wenn öffentliche Interessen berührt werden ist ein Bürgerberehren unter Umständen angebracht. Nicht aber wenn es am Ende vielleicht doch mehr ums von Gerhard Matzig so trefflich beschiebene Wutbürger Dasein an sich geht, dem es entweder grundsätzlich ums Dagegensein geht oder um die eigenen Interessen, die er bedroht sieht. Bei der geplanten Verwertung eines privaten Baugrundstücks wie den Platz´schen Garten müssen die Interessen des Eigentümers jedoch höher wiegen, als die der Nachbarn, die lieber kein weitere Bebauung inklusive Baulärm in unmittelbarer Nähe hätten. Denn dieser hat nun mal das Recht sein Grundstück auch zu nutzen und zu verwerten.
2) für was sind wir denn eigentlich dann? Nun fühlen sich also 5000 Menschen berufen ein Bürgerbegehren gegen die geplante Bebauung zu initiieren. Und für den Erhalt der Natur. Selbst wenn wir mal annehmen, dass es allen vorrangig um den Erhalt der Natur geht, wofür sind sie denn sie denn eigentlich, wenn sie am Sonntag JA ankreuzen? Für den Erhalt des Gartens, klar. Aber wie soll das realistisch aussehen? Da wohl weder die IG die Mittel aufbringen wird selbst das Grundstück zu kaufen, einen ( im besten Fall noch öffentlichen ) Park anzulegen und zu pflegen, noch sich ein betuchter Gönner mit dem großen Herz für das Würzburger Stadtklima finden wird, der ebendies tut, stellt sich die Frage wie der Erhalt dann funktionieren soll? Indem man dem Besitzer aufbürdet auf einem unverkäuflichen, da nicht verwertbaremGrundstück sitzen zu bleiben, das er aber selbst auch nicht mehr nutzen und halten kann? Auch eine Abtei muss heutzutage wirtschaftlich arbeiten, und benötigt finanzielle Mittel zum Erhalt ihrer Gebäude, zur Sanierung Ihrer Schule etc. und ist dafür eben unter Umständen auch auf Erlöse aus dem Verkauf ihrer Liegenschaften angewiesen. Und das Recht hat sie nun mal genauso wie jeder andere Bürger auch. Dass Garten und Bestandgebäude verfallen und verwildern, weil die Unterhaltskosten nicht mehr aufzubringen sind kann wohl genausowenig Ziel sein. Ist also eine Bebauung, die möglichst schonend mit dem Grünbestand umgeht und gleichzeitig Chancen zur Stadtentwicklung in einem Innenstadtnahen Areal bietet nicht doch die beste Alternative?
3) billige Polemik Was mich wohl erst wirklich dazu veranlasst hat, etwas zu schreiben war eine Anzeige der IG in der Mainpost über die ich zufällig gestolpert bin und nicht wusste ob ich angesichts der mit entgegenschmetternden leider eher billigen Polemik und haarsträubender Vergleiche eigentlich lachen oder weinen soll. Von Vertuschung »brutaler Lebenswirklichkeit« am Boden war da die Rede, von der »Wucht fussballfeldgroßer Fassaden«, »Energiehunger des Neubaus« (schon mal was von derEnEV gehört?) , »Echowirkung von Strassenschluchten« ( Schlucht? fünfgeschossig? schon mal in einer Großstadt gewesen?) ,ungeheuer verschärften« Verkehrsituationen und Massenstaus um nur wenige Beispiele zu nennen. Nebenbei werden dann noch durch den mitteleren Ring versusachte Krebs- Und Schlaganfallquoten (werden die dann weniger, wenn da nicht gebaut wird?) , Die »Belästigung Schwerstkranker durch (Dauerlärm) aus Ventilatoren am neugebauten Uniklinikum« mehr oder weniger direkt mit dem Bauvorhaben in Verbindung gebracht. (häh?) Wer bitte lässt sich von dermaßen unreflektierter Argumentation überzeugen? Ich fand’s zumindest eher amüsant. Und habe mich dann weder für Lachen , noch für Weinen, sondern zum Schreiben entschieden.
Neueste Kommentare