Monthly Archive for April 2009

Skandal in Berlin

Die Jurysitzung für das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin (Budget: 10 Mio. Euro) wurde am Dienstag Abend abgebrochen. Ergebnis: Keine der 532 Arbeiten, die bei dem offenen zweistufigen Verfahren eingereicht wurden, ist nach Ansicht der Jury geeignet, um in einer zweiten Wettbewerbsstufe weiter ausgearbeitet zu werden. Stattdessen überlegt man nun im Rahmen eines Einladungswettbewerbs »gezielt insbesondere an renommierte und erfahrene Künstler und Künstlerinnen heranzutreten und sie zur Einreichung von Entwürfen aufzufordern.«(Zitat: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BBR) vom 28.04.2009)

Wie Bitte?

Bei 532 eingereichten Arbeiten war kein einziger Entwurf dabei, der den »hohen Anforderungen an dieses einzigartige Denkmal an einem historischen Ort« (Zitat BBR) gerecht werden konnte? Das hört sich einfach nicht glaubwürdig an. 

Meine Vermutung ist eher, dass man sich sehr wohl bei der Jurysitzung auf 20 Teilnehmer für die 2. Stufe einigen konnte, dann aber beim Öffnen der Verfassererklärungen bemerkt hat: Huch, da ist ja überhaupt kein großer Name dabei! Können wir unserer Bevölkerung das Kunstwerk eines »Nobodys« zumuten? Können wir einem jungen unbekannten Künstler 10 Mio. Euro Ausführungsbudget anvertrauen. Wahrt die Bundesrepublik Deutschland ihr Gesicht im Ausland, wenn ausgerechnet ihr »Einheits- und Freiheitsdenkmal« nicht von einem »angesehenen« Weltstar der Kunstszene ausgeführt würde? Na dann lieber mal auf Nummer sicher gehen, alles abblasen und die bewährte Garde in einem Einladungswettbewerb ranlassen. Aber wer hat eigentlich den »großen« Namen verboten, an dem offenen Wettbewerb teilzunehmen? 

Und Nun?

Das Ergebnis des Nicht-Ergebnisses des Wettbewerbs ist, dass das »Image« offener Wettbewerbe schweren Schaden erlitten hat. Wer ist jetzt noch dazu bereit, an einem offenen Wettbewerb teilzunehmen? Anscheinend kann man 532 Künstler mal eben so für nichts arbeiten lassen – ein lapidares »Vielen Dank für Ihre Teilnahme…« ist genug Lohn für etliche Arbeitsstunden, die so ein Wettbewerb verschlingt. Das Mindeste wäre, aus den 532 »schlechten« Arbeiten  die 20 »am wenigsten schlechten« Arbeiten herauszusuchen und mit einer Aufwandsentschädigung zu »belohnen«. 

Fazit:

Die ganze Geschichte zeigt wieder einmal die Mutlosigkeit und Starre, die in Deutschland vorherrscht. Genauso wie beim Stadtschloss-Wettbewerb: Hier wurde auch der innovativste Entwurf mit einem »Sonderpreis« abgespeist. Bloß nichts wagen oder sich irgendeiner Kritik aussetzen. Lieber auf das »Altbewährte« setzen. In anderen Ländern wie z. B. Spanien hat man da eine ganz andere Kultur. Da haben auch unbekannte Künstler/Architekturbüros die Chance bei einem Wettbewerb zu gewinnen und diesen dann auch umzusetzen. 

pm-freiheits-und-einheitsdenkmal (Pressemitteilung PDF)

Gestaltungssatzungen

hier ein Artikel von Ursula Baus german-architects.com zu dem Thema Gestaltungssatzungen. Ist ja auch ganz aktuell in Würzburg.

Bild: Promi.at, Tischler

Die Idee des Klassischen und ihr bürokratischer Wurmfortsatz
Die Strategien, mit denen derzeit die Risiken experimenteller Architekturentwicklungen gebremst oder vermieden werden sollen, beziehen sich immer und immer wieder auf die Errungenschaften unserer Vorfahren. Dass diese ebenfalls experimentell und riskant waren, sich außerdem recht oft im Widerspruch zu den Machtstrukturen der jeweiligen Gegenwart gebildet haben, gerät dabei allzu oft in Vergessenheit. Zu beklagen ist, dass die Vorstellung vom Bewährten völlig aus seinem Entstehungszusammenhang gerissen wird. Ursula Baus findet, dass dieses ungute Durcheinander jetzt in merkwürdigen Gestaltungssatzungen zu amalgamieren droht.

hier zum Beitrag:

Architekten sind ….?!

In der Süddeutsche Zeitung ist heute im Karriereteil ein Artikel über die »Schwach-, Stark- und Überleister erschienen«.!
Soweit so gut! Das der Artikel « .. viele Architekten als echte Minderleister …« darstellt, weil »… Häuser vom Harz bis zu den Alpen .. gleich aussehen…« finde ich doch etwas weit hergeholt.
Oder steckt doch etwas wahres in der Aussage? Architekten, bemüht euch mehr, besonders in rauhen Zeiten!

Die Stadt von morgen visionieren, ….

für alle Würzburger die nächste Woche etwas wirklich spannendes und innovatives erleben möchten!

Tipp der Woche:
Deutschlands erstes Zukunfts-Ideen-Speeddating am 21.4.2009
Die Stadt von morgen visionieren, debattieren, Leute treffen.
Ort: Kultwerk West, Große Bergstraße 162, Altona | Beginn: 18.30, Eintritt frei, Fingerfood & Sounds inklusive

Achtung: die Veranstaltung findet in Hamburg statt!
Anreise: bis 18.30 Uhr
Rückfahrt: Hamburg Hbf, Mittwoch, 22.04.09 – ab 03:18
Würzburg Hbf, Mittwoch, 22.04.09 – an  07:26

Eine Veranstaltung von nexthamburg

Ach ja übrigens…

… der Schweizer Architekt Peter Zumthor ist in Buenos Aires mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet worden.

Vorankündigung: 5 Jahre LP10 – Feier im Treffpunkt

V O R A N K Ü N D I G U N G :

LP10 feiert Geburtstag!

Am 07.05.2009 ist es soweit: Die Leistungsphase 10 feiert ihr nunmehr 5-jähriges Bestehen im Treffpunkt Architektur ab 20.00 Uhr. Eingeladen ist JEDER! Für Musik, Essen und Getränke ist gesorgt, der Eintritt ist wie immer frei!

Muss Architektur glücklich machen?

Nachdem vor einiger Zeit der Workshop »Architektur in Bewegung»angeboten wurde, hier ein neuer Tipp zum Glücklich werden!

07.05.2009 – 19.00Uhr

diskussion: Architekturclub: Muss Architektur glücklich machen?

Gäste: Karla Kowalski (Architektin, Graz) und Riklef Rambow (Architekturpsychologe, Berlin)
Moderation: Nils Hille (Deutsches Architektenblatt)

Treffpunkt Architektur Ober- und Mittelfranken der Bayerischen Architektenkammer
K4 Kopfbau, Königstr. 93, Nürnberg

www.byak.de

Propeller Bar hebt ab…

 

Zeichnung: Matthias Braun

… und landet hoffentlich bald an anderer Stelle wieder! 

Ralf vom Würzblog hat`s schon berichtet, aber natürlich müssen die Architekten auch noch Ihren Senf dazugeben: Die Propeller Bar in der Karmelitenstraße schließt zum Ende des Monats ihre Pforten.

Damit verschwindet eines der coolsten »Zwischennutzungsprojekte« aus Würzburg, ein innenarchitektonisches Kleinod geht verloren und einer der wenigen Orte, an denen man ausnahmsweise mal »Weltniveau« in der »Provinz« vorfand. Nicht zuletzt entwickelte sich der Propeller auch zum konspirativen Treffpunkt der LP10ler, wo so manche Idee für die nächste Aktion/den nächsten Blogbericht bei einem »Mexicaner« entstand oder einfach nur gefeiert wurde. Gerne hätten wir die Propeller Bar noch für den Deutschen Innenarchitekturpreis des BDIA oder für den Petrini-Preis der Stadt Würzburg vorgeschlagen, aber dafür ist es jetzt leider zu spät.

Also, Bene, Flo und Packi, schaut zu, dass der Propeller bald wieder einen neuen Landeplatz findet!

lp10 auf br2 Zündfunk

Hier gibt`s die Reportage »Weltkulturerbe vs. Nachkriegsbauten: Würzburg streitet über Selbstverständnis und Selbstbild der Stadt« von Jonas Beckenkamp, die am 01.04.2009 im Zündfunk auf Bayern 2 gesendet wurde, zum anhören.

»LP10 – Junge Architekten in Unterfranken« wurde von Matthias Braun vertreten, den Gegenpart bei der Diskussion übernahm Florian Evenbye vom« Arbeitskreis Studierende für Denkmalschutz«. Aufgezeichnet wurde das Interview am 31.03.2004 in Würzburg in Form eines kleinen Stadtrundgangs, bei dem an den allseits bekannten architektonischen Brennpunkten jeweils Station gemacht wurde.

»würzburg brennt« (mp3)

LGS 2016 in Bayreuth

Nun ist`s wohl raus: Die Landesgartenschau (LGS) 2016 geht nach Bayreuth und leider nicht nach Würzburg. Das ist wirklich schade, denn die LGS wäre ein wichtiger Impuls für die städtebauliche Entwicklung des Leighton Areals gewesen. So bleibt zu hoffen, dass die bereits angestoßenen Projekte wie z. B. die neue Straba-Linie zum Hubland trotzdem mit aller Konsequenz weiterverfolgt werden. Stillstand und Resignation wären jetzt die falsche Reaktion, schließlich gibt es noch eine Chance für 2018.