Monthly Archive for Mai 2010

Neues Konzept für Würzburger Weindorf 2011: Wein und Architektur

Perspektive Würzburger Weindorf 2011

Sind wir doch mal ehrlich: So wie sich das Würzburger Weindorf bisher präsentierte, konnte es nicht weitergehen. Ein Schlumpfdorf mit hässlichen kleinen zusammengezimmerten Fachwerkbuden in 70er Jahre Optik, das absolut keinen Style hat, lockt doch keinen mehr hinter dem Ofen geschweige denn zum Weintrinken hervor. Auch der Städtebau des Weindorfs wies erhebliche Defizite auf. Es wurde eher der Charme einer miefigen Nachkriegs-Barrackensiedlung vermittelt als der einer temporären innerstädtischen Genussoase. Alles völlig planlos! Doch dem geschmackfreien Ambiente wird ab 2011 der Kampf angesagt.

Zur Eröffnung des Weindorfes 2010 wurde ein völlig neues Konzept für das nächste Weindorf im Jahr 2011 von den Veranstaltern präsentiert: »Weindorf 2011 – Wein und Architektur«. »Nachdem die Qualität des Frankenweins in den letzten Jahren stetig verbessert wurde, muss sich dies nun auch in der Architektur äußern«, so ein Sprecher, »besonders bei einem Weinfest wie dem Würzburger Weindorf«. Ein städtebaulicher Masterplan wurde entwickelt, der vom bisherigen orthogonalen Bebauungsraster abweicht und sich eher an einem mittelalterlichen verwinkelten Stadtgrundriss orientiert. Auch die Bebauungsdichte wird sich zukünftig erhöhen. Im neuen Weindorfbebauungsplan sind nun 2-geschossige Bauten zugelassen. Dies macht das Weindorf urbaner und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Zahl der Sitzplätze nahezu verdoppelt werden kann-also auch wirtschaftlich ein Volltreffer. Bei einem internationalen Architektenwettbewerb konnten dann Architekturbüros ihre Vorschläge für die Bebauung der einzelnen Baufelder einreichen. Das Ergebnis ist auf dem Foto zu sehen.

Begrüßenswert ist die Idee, die Fassade des Forum-Gebäudes mit wildem Wein beranken zu lassen, was dem Gebäude einen neuen freundlichen Charakter verleiht und wohl auch einige erbitterte Forum-Gegner besänftigen dürfte.

Na dann Prost. Der Frankenwein hat wieder eine Zukunft!

Mehr dazu:

>Würzburger Weindorf

22. Coburger Designtage 1.-6. Juni

so, ich spare mir das Texten – direkt von der Homepage der Coburger Designtage:

»Vom 1. bis 6. Juni 2010 finden zum 22. Mal die Coburger Designtage statt. Veranstaltet vom Coburger Designforum Oberfranken e.V. in enger Zusammenarbeit mit der Fakultät Design der Hochschule Coburg, verstehen sich die Designtage als ein Schaufenster der Designwirtschaft in der Region mit überregionaler Ausstrahlung.Die Fakultät Design der Hochschule Coburg mit den Studiengängen Integriertes Produktdesign, Innenarchitektur, Architektur und Bauingenieurwesen geben Einblick in aktuelle Studienprojekte.

Im Umfeld des Hofbrauhauses ist eine Ausstellungs- und Erlebniswelt geschaffen worden, die Besucher nicht nur mit den kreativen Arbeiten junger Gestalter konfrontiert, sondern auch zum Gedankenaustausch und Verweilen einlädt.
Besonders nach Einbruch der Dunkelheit entfalten die Lichtinszenierungen rund um das Hofbrauhaus eine besondere Atmosphäre.«

DMY 2010 – International Design Festival Berlin

Bild: DMY 2010

Vom 09.-13. Juni 2010 findet wieder das International Design Festival in Berlin statt. Früher hieß das Ganze mal »Designmai«, jetzt findet die Veranstaltung im Juni statt und nennt sich DMY. Die Hauptausstellung am ehemaligen Flughafen Berlin Tempelhof, der sich zusehends zu Berlins neuem »Messezentrum« entwickelt (Bread & Butter 2010 gastierte auch hier), wird von vielen Zusatz- und Sonderveranstaltungen begleitet, die über die ganze Stadtgebiet verteilt sind. Ein Schwerpunkt wird bei der diesjährigen Ausgabe der DMY Schweizer Design bilden, wobei nicht nur ausgewählte Designstudios präsentiert sondern auch die Schweizer Designschulen vorgestellt werden.

mehr Infos:

>DMY 2010

einen guten Überblick kann man sich hier verschaffen:

>Festival-Ausstellungskatalog 2010 (Preview 286 Seiten!)

so weiß, so gut

© online.sdekultur

LESS AND MORE – DAS DESIGNETHOS VON DIETER RAMS heisst eine neue Austellung des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt,  die am Sa. den 22.Mai eröffnet wurde.

Dieter Rams (»Mister Braun«) war von 1955-1995 als Gestalter und Chefdesigner für das Unternehmen Braun tätig; für Vitsoe kreierte er erweiterbare Systemmöbel, die heute u.a. im Kanzleramt stehen.  Aus seinem Designethos entwickelte sich eine Gestaltungshaltung und eine elegante und reduzierte Formensprache, die bis heute  nicht nur junge Designer, sondern auch große Firmen inspiriert- allen voran Apple.

Die Ausstellung ist jedoch mehr als eine Retrospektive seiner Arbeit. So zeigt sie auch den historischen und gestalterischen Kontext zu Dieter Rams und die Tradition der funktionalen Gestaltung in Deutschland- von Behrens über De Stijl und Werkbund, bis zu den Positionen der Nachkriegszeit, unter anderem vertreten durch die HfG Ulm – und will einen Ausblick geben auf die Gegenwart und die Zukunft unserer Produktwelten.

Sehen kann man das Ganze noch bis zum 5.September. Hier gibt es mehr Informationen,  Hier eine sehr empfehlenwerte, weil interessante,  informative und kurzweilige Bildstrecke der Süddeutschen Zeitung zur Austellung und Dieter Rams.

Ausstellungstipp: Alessi 22.5.-19.9. Pinakothek der Moderne

es besteht wohl sicher ein breiter Konsens darüber, dass unseren italienischen Freunden von Natur aus eine gewisse Geschmacks- und Stilsicherheit gegeben ist. Und das mögen wir, wie ein Blick in unseren Küchenschrank beweist.

Alessi, die italienischen Designfabrik, wirft durchgestylte und reeditierte Designklassiker in so großer Zahl auf den Markt, dass zwangsläufig jeder Haushalt schon aus Versehen eines ihrer Produkte besitzen muss. Ein Wasserkessel oder gar die Zitruspresse von Philip Starck auf dem Küchenboard lassen selbst den tumbsten teutonischen Stillegastheniker gut aussehen.

Die Liste der Architekten, die für Alessi gearbeitet haben, dürfte nahezu die komplette Top-Fifty der weltweit bekanntesten Namen und Büros umfassen: UN Studio, Dominique Perrault, Frank O. Gehry, Mario Botta, David Chipperfield, Massimiliano Fuksas, SANAA, Zaha Hadid, und, und, und…

la cupola

Espressomaschine »la cupola« von Aldo Rossi (Foto: Thomas Leiser)

Oggetti e Progetti | Alessi: storia e futuro di una fabbricia del design italiano
22.05.2010 - 19.09.2010
Ausstellung | PINAKOTHEK DER MODERNE | DESIGN

»Alessandro Mendini kuratiert und gestaltet für Die Neue Sammlung einen Rückblick auf die letzten 30 Jahre italienischen Designs. Seinen Fokus richtet Mendini dabei auf einen Protagonisten der Szene: das Unternehmen Alessi, das sich vom kleinen metallverarbeitenden Betrieb zur weltweit agierenden Ideenfabrik wandelte. Mit seinen Produkten, und vor allem auch durch seine stilprägenden Ideen, Aktionen und Metaprojekte schrieb Alessi europäische Designgeschichte und ist Auslöser für Reflexionen über die Zukunft des Designs.« (www.pinakothek.de)

Tageslichtplanung

ich sitze hier gerade am PC und mühe mich, für ein Bauvorhaben mittels Raytracing eine vernünftige Raumausleuchtung mit Tageslicht zu simulieren, da zeigt mir ein Blick aus dem Bürofenster, dass man in der Qualität immer noch etwas zulegen kann:

Blick aus dem Bürofenster

Buchtipp: Treppe Fenster Klo – Die ungewöhnlichsten Häuser der Welt

Maison á Bordeaux, Rem Koolhaas

Hier ein Buchtipp nicht nur für Eltern, die ihren Kindern zeigen wollen, dass nicht alle Häuser Satteldächer haben müßen, sondern auch für Kunstgeschichtler, die etwas Nachhilfe in Moderner Architektur brauchen, aber vor allem auch für »erwachsene« Architekten, die vor lauter VOB, BayBO, BauGB und allen möglichen anderen DIN-Normen vergessen haben, was eigentlich die Architektur ausmacht. Die polnischen Graphiker Aleksandra Machowiak und Daniel Mizielinski haben 35 Häuser aus der ganzen Welt ausgesucht, selbst illustriert und in ihrem Wesen beschrieben. Unter anderem mit der Maison á Bordeaux von Rem Koolhaas, der Casa Poli von Pezo van Ellrichshausen, dem Curtian Wall House von Shigeru Ban oder dem R128 von Werner Sobek. Im März 2010 wurde das Buch auch mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis Luchs von Die Zeit und Radio Bremen ausgezeichnet.

»Treppe Fenster Klo«, 156 Seiten, 18 €, Moritzverlag

8th International Architecture Workshop in Würzburg

Plakat: Stadt Würzburg

Letztes Jahr musste er leider abgesagt werden, aber dieses Jahr scheint es zu klappen. Vom 18. – 30.07.2010 findet wieder ein Internationaler Architektur Workshop in Würzburg statt. Im Focus stehen bei der diesjährigen Ausgabe das ehemalige Bürgerbräu-Areal (dem ein oder anderen auch als das »AKW-Gelände« besser vertraut) sowie das Gebiet der angrenzenden Alten Mälzerei in Würzburgs »In«-Stadtteil Zellerau. Ein Gesamtareal, das bisher schon kulturell, sportlich und gewerblich genutzt wird, das aber soviel Potential bietet, das man noch wesentlich mehr daraus machen könnte, zumal ein großer Teil der imposanten Brauereigebäude bisher ungenutzt ist. Interessant werden bestimmt auch die Ergebnisse, die in- und ausländische Studenten dazu erarbeiten. 

Ein Besuch des Workshops lohnt sich auf jeden Fall, besonders zu den Präsentationsterminen der Arbeiten oder um einfach bißchen internationale Arbeitsatmosphäre aufzuschnappen, denn es werden wieder Studenten und Tutoren aus ganz Europa vor Ort sein. Ich habe selbst einmal an diesem Workshop teilgenommen und kann nur jedem Architekturstudenten (v. a. denen, die hier in Würzburg studieren) empfehlen, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen und daran teilzunehmen. Macht richtig Spaß!

Bild: Stadt Würzburg

»Aufgabenstellung des Internationalen Architektur-Workshops in Würzburg ist auch wie in den bereits vorangegangenen Jahren die Umgestaltung bzw. Neuordnung eines bestehenden, innerstädtischen Areals. In diesem Jahr hat die Stadt Würzburg das ehemalige Bürgerbräu-Areal und die direkt hieran angrenzende Alte Mälzerei als Entwurfsaufgabe gewählt. Beide Grundstücke bieten mit ihrem alten Gebäudebestand und der attraktiven Eingangslage zur Stadt ein interessantes und spannungsreiches Entwurfsgebiet für Studenten verschiedener Disziplinen. 

Ziel des Kurses ist, bereits vorhandene und zu erhaltende Nutzungen neu zu definieren, Teile der beiden Areale mit dem denkmalgeschützten Gebäudebestand umzunutzen und hierdurch auch neue Funktionen zu ermöglichen. Anders als bei einem Architektenwettbewerb, liegt das Interesse darin, die Studenten möglichst frei entwerfen zu lassen, um eine Vielfalt an Ergebnissen zu erhalten…«

Tutoren:

Alle Infos dazu:

>8th International Architecture Workshop

P.S.: LP10 hat das Potential des Geländes schon lange erkannt und einen Umnutzungsvorschlag für das ehemalige Sudhaus im legendären LP10-Film aufgezeigt ;)

LP10 Topspot: Original Christo am Marktplatz Würzburg

Foto: Matthias Braun

Nachdem Schweinfurt in Sachen Kunst Würzburg mehr und mehr den Rang abzulaufen schien (Museum Georg Schäfer, Kunsthalle Schweinfurt) sah sich die Stadtverwaltung gezwungen zu reagieren. Es musste einfach etwas passieren. Schließlich ist Würzburg das Oberzentrum und nicht Schweinfurt. Und damit das so bleibt wurde kurzerhand der weltbekannte Verpackungskünstler Christo (seine Frau und Partnerin Jeanne-Claude verstarb am 18.11.2009) beauftragt, auf dem Würzburger Marktplatz tätig zu werden. Das Ergebnis ist auf obigem Foto zu bewundern.

Zugegeben, von der Dimension her nicht unbedingt zu vergleichen mit der Verhüllung des Reichstagsgebäudes in Berlin, aber immerhin. Bei angespannter Haushaltslage müssen es auch kleine aber feine Projekte tun – oder hat man doch nur einfach vergessen, mal endlich die Schutzverpackung zu entfernen…?

Vierter Würzburger Hafensommer

LP10 empfiehlt: Vierter Würzburger Hafensommer. Vom 23. Juli bis zum 15. August.

Konzerte, Kabarett, Tanz, Kino, eine Lesung(!) mit Marianne Faithful etc.. Ein sehr vielfältiges Programm, bei dem nur eines fehlt – Mainstream. Wir freuen uns besonders auf Carolin No, die uns schon bei der Preisverleihung am 23. April ein Ständchen gespielt haben.

Vielen wird es vielleicht wie mir gehen. Ein paar Fixpunkte, die man kennt – »Ah, Fehlfarben – Paul ist tot, kein Freispiel drin! Die Hymne meiner Jugend« – aber man guckt auch ein wenig ratlos ins Programm. »Andromeda Mega Express Orchestra? Nie gehört.« Aber Web-sei-Dank nur wenige Googleminuten später ist man schlauer (und begeistert):

»Hier ist ein 20köpfiges Orchester, das unter der Leitung eines 25jährigen Berliner Komponisten ein Feuerwerk an Energie, Musikalität und Einfallsreichtum abfackelt.[…] Mit den Freunden von The Notwist verbindet das Orchester eine enge musikalische Zusammenarbeit. Gemeinsame Konzerte in Amsterdam, Hamburg und München wurden frenetisch bejubelt.« (www.andromedameo.com)

The Notwist’s »Where in this World« featuring Andromeda Mega Express Orchestra

So wird das Programm zum kulturellen Bildungsleitfaden. Also, unbedingt reinklicken: Programm Hafensommer 2010.