Monthly Archive for August 2010

next step – google home view?

fragte ich mich (O-Ton Würzburch: »was mechtn der, derf der des?«), als mir gerade eben dieser freundliche Helipilot ins Bürofenster linste.

heli über würzburg

Also, geschwind das Kennzeichen gegoogelt, Eigentümer angerufen und um Aufklärung gebeten. Die Lösung ist, dass der Heli und seine Crew seit ein paar Stunden die Sendeleistung, Feldstärke etc. des neuen Funkturms in alle Richtungen vermessen. Das Kind in mir und ich als Ingenieur, wir beide also, können dem Treiben jedenfalls stundenlang zuschauen. G’schafft kriech mer so natürlich nix.

QR-Code Fassade aus den 50ern

Bild: Matthias Braun

Neulich in Würzburg entdeckt: Eine QR-Code (Quick Response Code) Fassade aus den 50er Jahren - Fein säuberlich an die Wand gefliest und damit mit jedem  QR fähigen Handy einzulesen. Da soll doch noch einmal jemand wagen zu behaupten, die 50er wären spießig und kleinbürgerlich gewesen. Im sonst so fortschrittlichen Japan sind Architekten erst jetzt auf den Trichter gekommen, die Fassade des N Buildings (Shopping Center in Tokio) als interaktiven QR-Code auszubilden. Schnee von Gestern!

Mehr dazu:

>QR-Code

>N Building Tokio

New Kids on the Blog

Seit dem 10. August unterhält die Zeitschrift Baumeister ein eigenes Blog und auch bei Facebook ist das Architekturmagazin, das es übrigens seit 1902 gibt, nun präsent. Warum? »Damit wird die lange Durststrecke zwischen den Monatsheften verkürzt. Dass wir täglich Tagebuch führen, wird wohl nicht gelingen, wenn die Beiträge einen gewissen Informationswert besitzen und nicht bloß die Reisebewegungen der Redakteure oder die aktuellen Außentemperaturen mitteilen sollen.«, so steht es im ersten Beitrag geschrieben. Das hört sich doch viel versprechend an. Baumeister-Chefredakteur Wolfgang Bachmann war ja erst vor kurzem in Würzburg im Rahmen der Architekturwoche A5 als Diskussionsleiter auf der schwimmenden Bühne des Hafensommers zu sehen (LP10 berichtete).

Hier die relevanten Links:

>Baumeister Blog

>Baumeister bei Facebook

>Baumeister Website

Tiger am Berliner Hauptbahnhof gesichtet!

Fotos: (c) WWF

Die Origami-Tiger von LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) sind am Berliner Hauptbahnhof eingetroffen. Vom 10. – 30. August sind die Raubkatzen in Berlin zu sehen, bevor die Reise weitergeht. Mit der Aktion will der World Wide Fund For Nature (WWF) auf die problematische Situation der Tiger in Asien aufmerksam machen (LP10 berichtete).

News zum italienischen Pavillon bei der Biennale 2010

Wer bezüglich des italienischen Pavillons bei der 12. Architektur Biennale in Venedig auf dem Laufenden gehalten werden will, der sollte sich mal die Internetseite YMAG anschauen. Hier gibt`s alle Neuigkeiten zum italienischen Beitrag »AILATI. Reflections from the future« des Kurators Luca Molinari.

(Übrigens: AILATI = ITALIA rückwärts, bzw. spiegelverkehrt, falls sich jemand über das Motto gewundert hat)

>YMAG

>Der italienische Pavillon

Architektur für Tiger

Die Origami-Tiger in Sydney, Foto (c) LAVA

Traurig aber wahr: Wir befinden uns nach dem chinesischen Kalender seit Februar 2010 im »Jahr des Tigers«, doch um das Wohl der stolzen Großkatze ist es nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) sehr schlecht bestellt. Nur noch rund 3200 Tiger leben in Asien in freier Wildbahn und wenn die aktuelle Entwicklung (Jagd und Zerstörung des Lebensraums) so weitergeht, könnte das nächste Jahr des Tigers im Jahr 2022 zu einem Trauerjahr werden.

Das dachten sich auch Chris Bosse, Tobias Wallisser und Alexander Rieck – das Team des Architekturbüros LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) – und entwickelten in Zusammenarbeit mit Jennifer Kwok vom Customs House Sydney das Projekt »Origami Tiger«. Zwei Tigerskulpturen aus Aluminium und Barrisol-Membran werden auf die Reise durch die Metropolen der Welt wie Sydney, Kuala Lumpur, Singapur und Berlin geschickt, um die Öffentlichkeit auf das drohende Aussterben der Tiger aufmerksam zu machen. Die sieben Meter langen und rund zweieinhalb Meter hohen Skulpturen sind mit LED-Dioden bestückt, deren pulsierendes Licht die Tiger nachts zum Leben erweckt. Ab 10. August ist das Tigerpärchen in Berlin zu sehen.

Wer sich umfassender über die Architektur von LAVA und die aktuelle Kampagne des WWF zum Schutz der Tiger (»Tigerland«) informieren will, dem empfiehlt LP10 folgende Links:

>LAVA (Laboratory for Visionary Architecture)

>World Wide Fund For Nature (WWF)

>Aktion »Tigerland«

P.S.: Übrigens hat Tobias Walliser auch schon im Rahmen des LP10-Vortragsprogramms in Würzburg referiert. Damals war er allerdings noch für UN Studio tätig

»Zurück zum Gefühl« – Der deutsche Beitrag zur Biennale

High-Tech, Wärmedurchgangskoeffizient, A/V-Verhältnis, Wirtschaftlichkeit, DIN-Norm, Fotorealismus-Rendering auf Glossy-Paper…sind passé. Genug der Technokratie! »Mythos statt Logos« – so könnte man die Kehrtwende bezeichnen, wenn man das Thema des diesjährigen deutschen Beitrags zur 12. Internationalen Architekturausstellung Biennale Venedig (29. August bis 21. November) betrachtet: „SEHNSUCHT“ – Ein Porträt der Sensibilität zeitgenössischer Architektur.

Das wird schon deutlich, wenn man die Visualisierungen für den Deutschen Pavillon sieht: Der goldene Eingangsvorhang, das Zimmer mit Aussicht, das Spiegelkabinett – Bilder, die Gefühle beim Betrachter auslösen sollen. Nach der rationalen Überdosis der vergangenen Jahre sehnt man sich wieder nach dem Ursprünglichen, nach dem, was hinter allem steht, nach Emotion und Sinnlichkeit. Aspekte, die in Architekturdebatten und im Architekturverständnis zuletzt immer mehr unterzugehen schienen oder vernachlässigt wurden. Insofern ist der Ansatz, den die Generalkommissare Cordula Rau, Eberhard Tröger, und Ole W. Fischer / Die Walverwandtschaften München Zürich Boston liefern, sehr wohltuend.

Architektur muss natürlich grundsätzlich erst einmal funktionieren, dienen und rational sein. Aber in ihrer Allgegenwärtigkeit löst Architektur natürlich immer auch Emotionen aus, schließlich leben ja in und um diese »Hüllen« Menschen. Und auch beim Entwurfsprozess ist (sollte) das Gefühl neben der Ratio eine Antriebsfeder (sein). So ist es dann auch nachzuvollziehen, dass der Pavillon nicht mit Plänen und Renderings zugeballert ist, sondern 180 internationale Architekten und Kulturschaffende dazu aufgerufen wurden, ihre architektonischen Sehnsüchte skizzenhaft zum Ausdruck zu bringen. Der Raum selbst wird als Ort der Begegnung, der Inspiration und des Austausches für Menschen betrachtet und mit Vorträgen, Gesprächen und Musikaufführungen bespielt. Bleibt abzuwarten, wie das Konzept von den Besuchern angenommen wird.

mehr zum Thema:

>http://www.sehnsucht-biennale.de

>http://www.walverwandtschaften.de

>http://www.labiennale.org/en/architecture/

so weiß, so gut

© online.sdekultur

LESS AND MORE – DAS DESIGNETHOS VON DIETER RAMS heisst eine neue Austellung des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt,  die am Sa. den 22.Mai eröffnet wurde.

Dieter Rams (»Mister Braun«) war von 1955-1995 als Gestalter und Chefdesigner für das Unternehmen Braun tätig; für Vitsoe kreierte er erweiterbare Systemmöbel, die heute u.a. im Kanzleramt stehen.  Aus seinem Designethos entwickelte sich eine Gestaltungshaltung und eine elegante und reduzierte Formensprache, die bis heute  nicht nur junge Designer, sondern auch große Firmen inspiriert- allen voran Apple.

Die Ausstellung ist jedoch mehr als eine Retrospektive seiner Arbeit. So zeigt sie auch den historischen und gestalterischen Kontext zu Dieter Rams und die Tradition der funktionalen Gestaltung in Deutschland- von Behrens über De Stijl und Werkbund, bis zu den Positionen der Nachkriegszeit, unter anderem vertreten durch die HfG Ulm – und will einen Ausblick geben auf die Gegenwart und die Zukunft unserer Produktwelten.

Sehen kann man das Ganze noch bis zum 5.September. Hier gibt es mehr Informationen,  Hier eine sehr empfehlenwerte, weil interessante,  informative und kurzweilige Bildstrecke der Süddeutschen Zeitung zur Austellung und Dieter Rams.

Ausstellungstipp: Alessi 22.5.-19.9. Pinakothek der Moderne

es besteht wohl sicher ein breiter Konsens darüber, dass unseren italienischen Freunden von Natur aus eine gewisse Geschmacks- und Stilsicherheit gegeben ist. Und das mögen wir, wie ein Blick in unseren Küchenschrank beweist.

Alessi, die italienischen Designfabrik, wirft durchgestylte und reeditierte Designklassiker in so großer Zahl auf den Markt, dass zwangsläufig jeder Haushalt schon aus Versehen eines ihrer Produkte besitzen muss. Ein Wasserkessel oder gar die Zitruspresse von Philip Starck auf dem Küchenboard lassen selbst den tumbsten teutonischen Stillegastheniker gut aussehen.

Die Liste der Architekten, die für Alessi gearbeitet haben, dürfte nahezu die komplette Top-Fifty der weltweit bekanntesten Namen und Büros umfassen: UN Studio, Dominique Perrault, Frank O. Gehry, Mario Botta, David Chipperfield, Massimiliano Fuksas, SANAA, Zaha Hadid, und, und, und…

la cupola

Espressomaschine »la cupola« von Aldo Rossi (Foto: Thomas Leiser)

Oggetti e Progetti | Alessi: storia e futuro di una fabbricia del design italiano
22.05.2010 - 19.09.2010
Ausstellung | PINAKOTHEK DER MODERNE | DESIGN

»Alessandro Mendini kuratiert und gestaltet für Die Neue Sammlung einen Rückblick auf die letzten 30 Jahre italienischen Designs. Seinen Fokus richtet Mendini dabei auf einen Protagonisten der Szene: das Unternehmen Alessi, das sich vom kleinen metallverarbeitenden Betrieb zur weltweit agierenden Ideenfabrik wandelte. Mit seinen Produkten, und vor allem auch durch seine stilprägenden Ideen, Aktionen und Metaprojekte schrieb Alessi europäische Designgeschichte und ist Auslöser für Reflexionen über die Zukunft des Designs.« (www.pinakothek.de)

Vierter Würzburger Hafensommer

LP10 empfiehlt: Vierter Würzburger Hafensommer. Vom 23. Juli bis zum 15. August.

Konzerte, Kabarett, Tanz, Kino, eine Lesung(!) mit Marianne Faithful etc.. Ein sehr vielfältiges Programm, bei dem nur eines fehlt – Mainstream. Wir freuen uns besonders auf Carolin No, die uns schon bei der Preisverleihung am 23. April ein Ständchen gespielt haben.

Vielen wird es vielleicht wie mir gehen. Ein paar Fixpunkte, die man kennt – »Ah, Fehlfarben – Paul ist tot, kein Freispiel drin! Die Hymne meiner Jugend« – aber man guckt auch ein wenig ratlos ins Programm. »Andromeda Mega Express Orchestra? Nie gehört.« Aber Web-sei-Dank nur wenige Googleminuten später ist man schlauer (und begeistert):

»Hier ist ein 20köpfiges Orchester, das unter der Leitung eines 25jährigen Berliner Komponisten ein Feuerwerk an Energie, Musikalität und Einfallsreichtum abfackelt.[…] Mit den Freunden von The Notwist verbindet das Orchester eine enge musikalische Zusammenarbeit. Gemeinsame Konzerte in Amsterdam, Hamburg und München wurden frenetisch bejubelt.« (www.andromedameo.com)

The Notwist’s »Where in this World« featuring Andromeda Mega Express Orchestra

So wird das Programm zum kulturellen Bildungsleitfaden. Also, unbedingt reinklicken: Programm Hafensommer 2010.