Das Projekt Stuttgart 21 hat alle demokratischen Instanzen durchlaufen und kann daher nicht mehr gestoppt werden. So die Bundesregierung. Beim Kippen des demokratisch legitimierten Atomkonsens von 2000 hatte sie kürzlich kein Problem damit.

(C) LAVA
Die Planung für den Bahnhof Stuttgart 21 ist über zehn Jahre alt und, wenn man einmal genau hinschaut, technisch ein Projekt von gestern. Die Anforderungen und Möglichkeiten sind längst anders gelagert. Die Notwendigkeit eines Durchgangsbahnhofs ist Mumpitz, wenn inzwischen nahezu alle Züge in beide Richtungen gesteuert werden können. Aspekte der Nachhaltigkeit und Energieeinsparung wurden auch nicht allzu sehr berücksichtigt.
Und das soll nun ein Projekt für die nächsten Generationen sein? Das fragten sich auch die Architekten vom Laboratory for Visionary Achitecture LAVA zusammen mit Prof.Matthias Schuler von Transsolar Energietechnik und konzipierten ihre Studie Stuttgart 22.
Die Vision für Stuttgart 22 belässt die Gleisanlagen lichtdurchflutet im öffentlichen Raum und überspannt sie mit einem Photovoltaikdach und einem 200 Meter hohen Glasturm. Über das Glasdach können die Bahnsteige durch die Sonneneinstrahlung erwärmt werden. Der Aufwindturm sorgt für die Durchströmung mit Frischluft. Außerdem werden über Photvoltaikdach und Aufwindturm elektrischer Strom erzeugt.

(C) LAVA
Die Bahngleise sollen um vier Meter abgesenkt werden. Sie sind somit leichter zu überqueren und befinden sich auf der Höhe der Königstrasse. Die Verbindung von Bahnhof und Königstrasse wird zum autofreien städtischen Bahnhofsvorplatz. Der Autoverkehr soll dann über einen Tunnel geleitet werden, der an der Stelle der jetzigen Klettpassage entstehen soll.

(C) LAVA
Weitere Informationen:
Artikel Stuttgart 22 als (halbe) Leseprobe der Zeitschrift GreenBuilding. Dort kann man das entsprechende Heft bei Interesse nachbestellen.
Interview mit Tobias Wallisser in den Stuttgarter Nachrichten
Angela »Che« Merkel hat gestern die »Revolution im Bereich der Energieversorgung« ausgerufen. »Unsere Energieversorgung wird damit die effizienteste und umweltverträglichste weltweit«
sagte sie anlässlich der Vorstellung des Energiekonzepts der Bundesregierung. Zurzeit von der Presse und der aufgeregten Öffentlichkeit fast noch unbemerkt beinhaltet das Konzept jedoch mehr als nur Laufzeit-verlängerungen für Atomkraftwerke.
Im Kapitel »Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen« heißt es:
»Unser zentrales Ziel ist es […], den Wärmebedarf des Gebäudebestandes langfristig mit dem Ziel zu senken, bis 2050 nahezu einen klimaneutralen Gebäudebestand zu haben. Dafür ist die Verdopplung der energetischen Sanierungsrate von jährlich etwa 1% auf 2% erforderlich. […]
Die bisherigen Instrumente werden nicht ausreichen, um diese Ziele umzusetzen: Die Energieeinsparverordnung (EnEV) definiert Anforderungen an Neubauten und bei Sanierungen im Bestand. Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zielt ebenfalls auf Neubauten. Diese Instrumente müssen weiterentwickelt werden, um die Sanierungsziele zu erreichen. […]
Mit einem „weiter so“ im bisherigen Instrumentenmix kommen wir nicht voran. Um die technisch-wirtschaftlichen Möglichkeiten der energetischen Sanierung des Gebäudebestands zu nutzen, ist ein neuer strategischer Ansatz notwendig.»
Hierzu sollen die bekannten Fördermaßnahmen »CO2-Gebäudesanierungsprogramm« und »Marktanreizprogramm« weiter ausgebaut und ein neues Programm – aufgemerkt! – »Energetische Städtebausanierung« bei der KfW aufgelegt werden.
Nachdem die beiden zuerst genannten Programme gerade erst drastisch gekürzt worden sind, halte ich es bei dieser Revolution zunächst mit dem Kaiser und sage »schaun mer mal…«
Hier gehts zum Entwurf des Energiekonzepts…
»das Thema Energieeinsparung in Bestandsgebäuden gewinnt stark an Bedeutung und immer mehr Menschen und Organisationen sind sich der Dringlichkeit bewusst – immerhin sind europaweit 40% des Endenergieverbrauchs auf die gebäudebezogene Energienutzung zurück zu führen. […] Auch die tendenziell steigenden Energiepreise wegen der knapper werdenden Ressourcen und die wachsende Abhängigkeit von Energieimporten unterstreichen die Notwendigkeit, die Energieeinsparung im Gebäudebestand voran zu treiben. Vom 17. bis 19. März 2010 findet zum 4. Mal das Internationale Anwenderforum “Energetische Sanierung von Gebäuden” statt. […] Das Forum hat eine internationale Ausrichtung und soll dazu beitragen, den weltweiten Erfahrungsaustausch über Technik, beispielhafte Projekte, gemeinsame Hemmschwellen und weiterreichende Ziele wie z.B. ökologische Fragen europaweit zu thematisieren. Gerade diese internationale Ausrichtung ermöglicht es, Produkte und Dienstleistungen auch grenzüberschreitend bekannt zu machen und zu exportieren.«
Ir. Joop Ouwehand (MSc) Forschungsleiter Gebäude und Energie, Saxion, University of Applied Science, Enschede, NL
Weitere Infos
Neueste Kommentare