High-Tech, Wärmedurchgangskoeffizient, A/V-Verhältnis, Wirtschaftlichkeit, DIN-Norm, Fotorealismus-Rendering auf Glossy-Paper…sind passé. Genug der Technokratie! »Mythos statt Logos« – so könnte man die Kehrtwende bezeichnen, wenn man das Thema des diesjährigen deutschen Beitrags zur 12. Internationalen Architekturausstellung Biennale Venedig (29. August bis 21. November) betrachtet: „SEHNSUCHT“ – Ein Porträt der Sensibilität zeitgenössischer Architektur.
Das wird schon deutlich, wenn man die Visualisierungen für den Deutschen Pavillon sieht: Der goldene Eingangsvorhang, das Zimmer mit Aussicht, das Spiegelkabinett – Bilder, die Gefühle beim Betrachter auslösen sollen. Nach der rationalen Überdosis der vergangenen Jahre sehnt man sich wieder nach dem Ursprünglichen, nach dem, was hinter allem steht, nach Emotion und Sinnlichkeit. Aspekte, die in Architekturdebatten und im Architekturverständnis zuletzt immer mehr unterzugehen schienen oder vernachlässigt wurden. Insofern ist der Ansatz, den die Generalkommissare Cordula Rau, Eberhard Tröger, und Ole W. Fischer / Die Walverwandtschaften München Zürich Boston liefern, sehr wohltuend.
Architektur muss natürlich grundsätzlich erst einmal funktionieren, dienen und rational sein. Aber in ihrer Allgegenwärtigkeit löst Architektur natürlich immer auch Emotionen aus, schließlich leben ja in und um diese »Hüllen« Menschen. Und auch beim Entwurfsprozess ist (sollte) das Gefühl neben der Ratio eine Antriebsfeder (sein). So ist es dann auch nachzuvollziehen, dass der Pavillon nicht mit Plänen und Renderings zugeballert ist, sondern 180 internationale Architekten und Kulturschaffende dazu aufgerufen wurden, ihre architektonischen Sehnsüchte skizzenhaft zum Ausdruck zu bringen. Der Raum selbst wird als Ort der Begegnung, der Inspiration und des Austausches für Menschen betrachtet und mit Vorträgen, Gesprächen und Musikaufführungen bespielt. Bleibt abzuwarten, wie das Konzept von den Besuchern angenommen wird.
>http://www.sehnsucht-biennale.de







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