Montage: Matthias Braun
Ein »kleines Plädoyer« für eine »kleine Kulturinstitution«
Auferstanden ist durch den Abriss des Gebäudes in der Karmelitenstraße und den einhergehenden Grabungsarbeiten ein Stück Würzburger Kultur aus der Stauferzeit, was einige Archäologen und Kunsthistoriker erfreuen wird - verschwunden ist dabei leider auch ein Stück Würzburger Kultur der Gegenwart: der Propeller. Und das macht Würzburg um einiges trister.
Leider verzögert sich die Neueröffnung des Kultladens an anderer Stelle, woran straffe Auflagen der Stadt wohl nicht ganz unschuldig zu sein scheinen. Dabei stünde es einer Stadt wie Würzburg ganz gut zu Gesicht auch die junge Kultur, manche mögen es »Subkultur« nennen, zu fördern, statt ihr Steine in den Weg zu legen. Gerade in einer Zeit, in der endlose Debatten über die »Provinzialität« oder das »Weltniveau« Würzburgs geführt werden. Reicht es noch nicht, dass das Autonome Kulturzentrum geschlossen ist oder dass das letzte Programmkino (Corso) bald von der Bildfläche verschwinden wird? Würzburg wirbt damit eine lebendige Universitäts- und Studentenstadt zu sein. Doch das Angebot für die Studierenden (und nicht nur für diese!) an alternativen Clubs oder Kultureinrichtungen ist eher begrenzt, außer man ist Anhänger der fränkischen »Weinfestlekultur«. Da wird es mit den Auflagen nicht ganz so eng gesehen, so erweckt es man manchmal den Eindruck.
Jetzt kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob es nicht etwas zu hoch gegriffen ist, den Propeller als »kleine Kulturinstitution« zu bezeichnen. Ich wage zu behaupten: Nein. Natürlich war der Propeller in erster Linie eine Kneipe oder Club. Aber er war auch mehr. Der minimalistische »Low Budget« Style war einzigartig und paßte sogar nicht in das »Provinzstädtchen«. Die Wände waren von nicht unbekannten Graffiti-Künstlern verziert. Neben guten DJs, die im Propeller auflegten, gab es auch eine Konzertreihe, in der sich regionale und überregionale Künstler präsentieren konnten. Während des Hafensommers 2008 stellte der Laden eine gern genutzte Anlaufstelle für die weit gereisten Künstler nach ihren Konzerten dar, die im Propeller die für Würzburg ungewöhnlich lockere Atmosphäre genossen. Und nicht zu vergessen, der bunte Besuchermix: Schülern, Studenten, Musiker, Angestellte, Grafiker, Azubis, Ärzte, Rechtsanwälte, Handwerker, Künstler, normale Leute, einige wenige gestörte Leute, Architekten…und, und, und, waren in allen Altersklassen vertreten. Wenn das nicht Kultur und Vielfalt ist, die heutzutage aller Ortens gepredigt wird, was bitte dann?
Auferstanden aus Ruinen? Ist Würzburg zum Glück! Und der Zukunft zugewandt? Da habe ich, wie das »kleine« Beispiel der »kleinen Kulturinstitution« zeigt, so manchmal meine Zweifel.
P.S.: Es soll bitte nicht der Eindruck entstehen, dass eine besondere Affinität zur Nationalhymne der ehemaligen DDR oder deren Ideologie besteht. Die beiden Textzeilen boten sich lediglich besonders gut als Aufhänger für diesen Artikel an.



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